Wohnen am Dom, Erfurt

Der Domhügel zu Erfurt ist ein Architekturdenkmal von europäischem Rang. An seiner Südseite, mittelbar am Domplatz gelegen, klafft eine städtebauliche Lücke in der Größe eines Altstadtquartiers. Das Grundstück soll mit Wohnungen und wenigen Gewerbeeinheiten bebaut werden.

Städtebau und Baukörper

 

Die vorgegebenen Grenzen der Bebauung werden vollständig ausgeschöpft.

Zur Domstraße und „An den Graden“ wird der Blockrand straßenbegleitend geschlossen. Der kompakte

Baukörper nimmt Typologien der benachbarten Quartiere auf. Mit zwei Baukörper-Winkeln wird die Großform der Dom-Sporthalle aufgegriffen; der Block mit Innenhof an der Ecke Domstraße/ “An den Graden“ entspricht dem Altstadt-Quartier am südlichen Domplatz. (Skizze 1)

 

Im Quartiersinneren schaffen eingeschnittene Höfe und Durchgänge halböffentliche und private Zonen.

Die Geschosszahl ist vom Blockrand nach innen niedriger gestaffelt, um die ruhigen Hofwohnungen gut belichten zu können.

Die Höfe werden intensiv begrünt und den erdgeschossigen Freisitzen mit durch Hecken gegliederten, kleinen Gärten zugeordnet.

Die Begrünung ist zugleich für alle Anwohner „ins Quartier hineingeflossene Landschaft“.

Die halböffentlichen, mit Baumgruppen akzentuierten Erschließungszonen wie auch die Gemeinschaftsfläche am Bergstrom befördern den Kontakt der Bewohner untereinander. (Skizze 2)


Das Erdgeschossniveau ist mit Ausnahme an der Domstraße ca. 70 cm über Straßenniveau eingeordnet. Damit entsteht zur Straße „An den Graden“ ein Hochparterre, welches die erdgeschossigen Wohnungen besser nutzbar macht.

 

Landschaft im Quartier

 

Die halböffentlichen und privaten Freiflächen, ausgenommen der unmittelbare Bereich an der südlichen und westlichen Grundstücksgrenze, liegen auf der Tiefgarage. Die Freiraumgestaltung schafft bewusst abgegrenzte Räume der Begegnung und individuellen Aneignung im Spannungsbogen zwischen linear-strengen und spielerisch-unregelmäßigen Formen. Die Grünstrukturen fließen vom Bergstrom mittels jahreszeitlich aspektreich unterpflanzten Blütenbaumgruppen ins Quartier und bilden das Rückgrat des Landschaftsbezuges wie auch der menschlich erlebbaren Maßstäblichkeit.

Eine prominente „Perle“ ist der „Bergstrom-Balkon“, der jedermann Aufenthalt und das Erlebnis Wasser ermöglicht. Ihm zugeordnet befinden sich die Privatgärten, die mittels einer Brüstungsmauer eingefasst sind und somit unerwünschte Einblicke verwehren.

Gestaltung

 

Skizze 2

Gestalt

Blockrand Domstraße

Der viergeschossige Baukörper entlang der Domstraße bleibt mit seiner Traufe bewusst unter der Oberkante der Kavaten des Domberges. Das Satteldach bezieht sich als Stilelement angemessen auf den umgebenden Kontext, wird jedoch zeitgemäß interpretiert.

  

Der Giebel zur Domstraße an ihrem südwestlichen Ende ist zum einen das gespiegelte Pendant zur Dachgestalt an den Kavaten (Skizze 3), zum anderen eine Reminiszenz an den Vorgängerbau, dessen Kubatur im westlichen Winkel durch die Einbindung der verbliebenen Wände der Gewehrfabrik in die Freiraumgestaltung ablesbar bleibt.

Die Straßenfassade ist eine Lochfassade mit eingezogenen Loggien und städtischem Sockelgeschoss

für Gewerbeeinheiten. Der gelbliche Klinker stellt gedanklich die Verbindung zum Naturstein der Kavaten her. Der freigestellte Gebäudeteil an der Domplatzecke wird als dominanter Gegenpart zu den Kavaten begriffen. Der „Diamant“ vermittelt signifikant durch konischen Zuschnitt zwischen großer Baukörpertiefe der Bestandsbebauung am Domplatz und geringerer Baukörpertiefe im weiteren Verlauf der Domstraße.

 

Blockrand „An den Graden“

Das Satteldach auf dem Staffelgeschoss des dreigeschossigen Baukörpers vermittelt den Übergang zur inneren Bebauung: Die durchgehende Brüstungslinie mutet wie die Attikalinie der Flachdächer an und assoziiert zugleich eine Trauflinie. Der Wechsel zwischen Klinker- und Putzfassade bricht spielerisch die Gebäudelänge und zeigt die differenzierte Hausstruktur.

 

Innenbereich des Quartiers

Der Innenbereich ist von ein- bis dreigeschossigen, neutralen Kuben geprägt. Das durchgängig begrünte Flachdach wird für anliegende Wohnungen als Dachterrasse mit zugeordneter Gartennutzung (intensive Dachbegrünung) genutzt.

Wohnformen/Das Wohnen


Im Quartier werden Geschosswohnungen unterschiedlicher Größe und Stadthäuser jeweils mit unmittelbarem Zugang zur Tiefgarage angeboten. Alle Geschosswohnungen sind barrierefrei.

An der Ecke Domplatz ist das Wohnen mit Gewerbe unterlagert. Der Baukörper ist im Erdgeschoss und durch die Dachform frei gestellt, während in den Obergeschossen die Wohnfunktion zusammenfließt.

Die Wohnungen „An den Graden“ werden traditionell von der Straße erschlossen und zeigen auch im Außenbild durch die Hauseingänge und den Materialwechsel klare Zuordnungen. Alle Hauseingänge außerhalb der Durchgänge des Erdgeschosses werden baulich eingezogen. An die Treppenhäuser mit Aufzug sind maximal drei Wohnungen angeschlossen. In Zusammenhang mit den großzügig geschnittenen Hauseingängen wird wertiges Wohnen vermittelt. Die Grundrisse sind klassisch geschnitten. Damit wird dem Bedürfnis der Mehrheit der Bewohner entsprochen. Offene Grundrisse können entsprechend des Bedarfes flexibel gestaltet werden. Fast alle Wohnungen sind zweiseitig

ausgerichtet und haben großzügige Loggien oder Terrassen. Fahrrad- und Kinderwagenräume befinden sich überwiegend im Erdgeschoss.

Tiefgarage


Die Tiefgarage springt an der Domstraße zurück, um den Bestand der Gewehrfabrik weitgehend erhalten und in den Neubau integrieren zu können. Die Einfahrt liegt klar außerhalb der Blickbeziehung zum Domplatz. Die notwendigen Stellplätze für Wohnen und Gewerbe werden ausschließlich in der Tiefgarage untergebracht. Dem Stellplatzschlüssel wird in vollem Umfang entsprochen. Der Müll erfährt in der Tiefgarage eine zentrale Sammlung. Die Container werden über einen Güteraufzug ins Erdgeschoss befördert. Abstellräume ergänzen den Bedarf für die Geschosswohnungen.